Sanierung

 


Aufsparrendämmung und Dacheindeckung

Zur grundlegenden Dachstuhlsanierung zählte der Einbau einer Aufsparrendämmung. Mit der Erneuerung der Dacheindeckung erfolgte die konsequente Ausbildung einer luft- und winddichten Ebene, um Konvektionsströme und damit Tauwasserausfall in der Dämmebene zu verhindern. Dabei entschied sich das Planungsteam für die Dämmung über dem Sparren, da der Dachraum weiträumig genutzt und das Gebälk innen sichtbar erhalten werden sollte. Die Dacheindeckung wurde mit Moselschiefer in altdeutscher Deckung ausgeführt. Der bisher ungenutzte Dachstuhl wurde durch hochwertige Dämmstoffe aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz für eine zukünftige Büronutzung energetisch ertüchtigt. Alle Räume werden mit Flächenheizsystemen in Wand und Boden temperiert. Durch diese Maßnahmen konnten die erheblichen Temperaturschwankungen im Dachstuhl reduziert und die Verformung des Primärtragwerkes (Deckenbalkenlage) sowie des Sekundärtragwerkes (Stuckdecken) gedämpft werden. Selbst die strengen Anforderungen der Energieeinsparverordnung 2017 und damit der Wunsch der Bauherren, das Bauwerk nachhaltig zu bewirtschaften, konnten erfüllt werden.

 

Dachtragwerk

Das Dachtragwerk gilt als gut erhaltenes Zeugnis der Zimmermannskunst zur Zeit des ausgehenden Mittelalters. Es finden sich alle Bearbeitungs- und Verbindungstechniken, die zu dieser Zeit bekannt waren, im Dachstuhl wieder. Das über vier Ebenen ausgebildete Kehlriegeldach wird in der oberen Ebene über einen stehenden Stuhl, in den unteren beiden Ebenen über liegende Stühle unterstützt. Dabei sind die Balken aus Eichenholz ungewöhnlich kräftig ausgebildet und schufen damit die Voraussetzungen, die bis dahin bekannten Holzverbindungen, wie Zapfen, Blätter, Kämme, Einhalsungen, Klauen und Versätze, zu einem komplizierten System raffiniertester Holzverbindungen mit großem Variationsreichtum für die konkrete Einbausituation zu entwickeln. Sie dokumentieren die Übergangszeit zwischen 1470 und 1550, in der die Zapfenverbindung mehr und mehr die Blattverbindung ablösten. Auf einer Fläche von 600 Quadratmetern stellen 200 Deckenbalken und Sparren eine gewaltige Konstruktion dar, deren Zustand hauptsächlich im Traufbereich wegen jahrzehntelanger Feuchtigkeitseinwirkung in Mitleidenschaft gezogen worden war. Damit der Eingriff in die historische Bausubstanz minimal-invasiv ausgeführt werden konnte, wurde eine Balkenkopfsanierung mittels schräg hinterschnittener Überblattung ausgeführt. Die schadhaften Stellen wurden ausgeklinkt und mit passgenauen Balkenstücken aus intaktem, altem Bauholz in Zweitverwendung ersetzt. Letzteres, um den historischen Charakter des Dachstuhls beizubehalten, Schwindverformungen zu minimieren sowie Aspekte der Nachhaltigkeit angemessen zu berücksichtigen. Weil sich der liegende Dachstuhl über drei Geschosse erstreckt und das Dach sehr steil ist, war die Verstärkung der sanierten Sparrenfußpunkte notwendig. Zu diesem Zweck wurde jeder Sparren am Balkenauflager mit einer Knagge versehen. Mit dem so hergestellten Rückversatz konnte eine formschlüssige Übertragung der einzuleitenden Kräfte ohne metallische Verbindungsmittel erfolgen.

 

Natursteinarbeiten Fassade/Mauerwerk

Der ursprünglich verputzte Steinbau hat im Laufe der Jahrhunderte seine Erscheinungsform geändert. Die ursprünglich als Opferschicht angeordnete Putzschicht war weitestgehend erodiert, sodass das Quarzitmauerwerk mit Eckquaderung aus Basaltlava Niederschlag und Frost ungeschützt ausgesetzt und in Teilbereichen tiefgründig geschädigt waren. Der östliche Giebel war zum Ende des vorletzten Jahrhunderts in Teilbereichen eingestürzt und nur provisorisch gesichert worden. Ein durch das Mauerwerk mittels Kernbohrung eingebrachter und nachträglich verpresster Spannstahlanker sichert den Giebel nun dauerhaft. Die vermauerten Fenster wurden wieder geöffnet und stellen die ursprüngliche Blickbeziehung zum Wahrzeichen der Wetterau, der Münzenberger Burg, wieder her. Das instandgesetzte Mauerwerk wurde mit einem Kalkputz unter Zusatz farbiger Natursande im Kellenschlag aufgebracht und während des Abbindens durch einen Jutebehang vor dem „Verbrennen“ geschützt. Die handwerkliche Arbeitsweise lässt sich noch heute erkennen, da die Gerüststellungen die Arbeitsabschnitte und damit die horizontale und vertikale Gliederung der Putzflächen bestimmt hat: Zwischen den Arbeitsabschnitten ergaben sich dunkler gefärbte Sinterfugen, die nun das äußere Erscheinungsbild des Schlosses prägen.

Treppenhaus

Die künstlerisch wertvollste Hinterlassenschaft des Solms-Hohensolmser Schlosses ist ein Treppenhaus, das auf der nördlichen Längsseite des Hauptbaus 1588 (Bauinschrift) angefügt wurde. Es handelt sich um eine Doppeltreppe mit jeweils gemeinsamem mittleren Podest. Dabei ist die zweite Podestebene gegenüber der darunterliegenden zurückgenommenen und es entsteht ein alle Läufe umfassender Binnenraum. Die Wangen der obersten Läufe schließen an die Umfassungswände des Treppenhauses in Form jeweils eines halben Bogens an und sind diamantiert. Das Treppenhaus war durch Wassereintritt und unsachgemäßer Überarbeitung aller Wand- und Deckenflächen bei Eigentumsübergang besonders geschädigt. Zudem musste bei der Sanierung des Treppenhauses berücksichtigt werden, dass die Natursteinelemente mit Blei(II,IV)-oxid (Menninge) farbig gefasst waren. Zur Überarbeitung wurde daher ein trockenes Partikelstrahlverfahren mit aufwändigen Schutzmaßnahmen für die Handwerker eingesetzt. Auch die ornamentierte Stuckdecke wurde durch einen Wassereinbruch massiv geschädigt und aufwändig restauriert sowie in Teilbereichen rekonstruiert.

Kellergewölbe

Zur Realisierung von geeigneten Klimaverhältnissen in den zukünftig zu Ausstellungszwecken genutzten Kellergewölben mussten die neuzeitlichen Einbauten entfernt werden. Zudem wurde durch zwei zurückliegende Wassereinbrüche erhebliche Mengen an Feuchtigkeit in das Mauerwerk eingetragen, welche zu einem Pilzbefall an nahezu allen Deckenoberflächen führte. Pilzbefall und ungeeignete neuzeitliche Putze wurden im JOS-Verfahren in enger Abstimmung mit Restaurator und Denkmalfachbehörden entfernt. Zur Klimastabilisierung steht zukünftig eine Fußbodenheizung zur Verfügung sowie die Möglichkeit, im Laufe einer 24-monatigen Betreuungsphase Entfeuchter bereitzustellen. Dies war jedoch nicht erforderlich. Zu den üblichen Sensoren für die Erfassung des Raumklimas, der Nahfeldklimate und der Oberflächentemperaturen erfolgte die Installation von CO2-Sensoren. Das für die Raumluftkonditionierung der Ausstellungsfläche des Gewölbekellers installierte Mess- und Regelkonzept beruht auf einer kabelgebundenen Messwerterfassung. Die Sensoren dienen der Erfassung des Raumklimas, das aus den Datenpunkten von Temperatur und relativer Luftfeuchte besteht. Zudem sind in ausgewählten Bereichen der Wände Oberflächensensoren angebracht, die in Verbindung mit dem Nahfeldklima (Temperatur und relativer Luftfeuchte) Aussagen zur Tauwasserbildung, zu Schwind- und Quellbestrebungen der oberflächennahen Fassungsmaterialien, zur Schimmelpilzgefahr oder zu Fragen eines möglichen Phasenwechsels von Salzen erlauben. Das installierte Monitoring hat sich im laufenden Betrieb bewährt.